Story Time: Mobbing und Depressionen

Hey ihr Liebe,

heute möchte ich gerne mal ein etwas ernsteres Thema ansprechen. Einen Beitrag wie diesen gab es auf meinem Blog bisher nicht, aber ich hoffe ihr interessiert euch genauso dafür. Ich möchte euch heute eine Geschichte von mir selber erzählen, die Jahre lang ein Teil meines Lebens war:  Mobbing und darauffolgende Depressionen. Ich will dieses Thema nicht ansprechen, um euch runterzuziehen oder rumzuheulen. Nein, im Gegenteil. Ich will denen, die selber darunter Leiden mussten oder es immer noch tun Mut machen. Denn mir geht es wieder gut!

Aber nun zu meiner Geschichte.

Angefangen hat das alles in der Grundschule. Ich bin mit sieben erst in die Schule gekommen, damit ich mit meinen Freunden aus dem Kindergarten in eine Klasse kommen kann. Das Problem, ich kam nur mit einer in die Klasse und die anderen waren in einer komplett anderen Klasse.

Relativ schnell began es dann, dass ich mir Sprüche anhören musste. Genau kann ich das gar nicht so wiedergeben. Aber es wurde auf jeden Fall immer schlimmer. In der zweiten oder dritten Klasse verschlimmerte sich das alles. Es wurde ein ziemlich schlimmes Gerücht in die Welt gesetzt, dass ich an dieser Stelle auch gar nicht genau erwähnen will, denn es war ziemlich widerlich. Beziehungsweise, das was daraus entstand war widerlich.

Denn Gerüchte verschlimmern sich immer, jeder dichtet etwas dazu. Das Schlimme war, dieses Gerücht verbreitete sich in der ganzen Schule. Ich wurde rumgeschuckt und ausgelacht.

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In der vierten Klasse kam dann diejenige, die das Gerücht in die Welt gesetzt hatte zu mir und entschuldigte sich nicht mal richtig, sondern sagte nur, dass sich alles aufgeklärt hatte. Davon konnte ich mir an dem Punkt natürlich gar nichts mehr kaufen. Ich kam zwar bald aufs Gymnasium, aber trotz, dass ich nun mit komplett anderen Leuten in die Klasse kam, ging es immer weiter. Ich muss dazu sagen, dass ich immer das Glück hatte, trotzdem ein paar Freunde zu haben, doch wie das so ist, haben die sich nicht vor die anderen gestellt und mir geholfen, sondern nur privat was mit mir gemacht.

Als ich dann aufs Gymnasium gewechselt habe, war es zu aller erst etwas besser, doch irgendwann fing das Mobben wieder an. Ich war nur noch am Boden. Ich verstand auch einfach nie wieso. Wieso Kinder in dem Alter so sein können, so schreckliche Dinge sagen können und vor allem nicht, was ich ihnen getan haben sollte. Irgendwann fing ich natürlich auch an mich selber total scheisse zu finden. Und es wurde einfach immer schlimmer.

Im Winter ging ich auf eine Skifreizeit. Dort kam es soweit, dass die anderen mich so verarschten, mich komisch anzogen und diese Bilder ins Internet stellten. Auf der anderen Seite bekam ich in dem selben Zeitraum unter meinen Bilder auf einer Social Media Plattform Kommentare wie: „Bei deinem hässlichen Gesicht würde ich mich an deiner Stelle umbringen“ oder „ihhh geh sterben, du bist so hässlich“. Und ich kannte die Menschen, die das schrieben. Mein Selbstbewusstsein war irgendwann natürlich voll kaputt, ich war nur noch eingeschüchtert und hasste mich selbst.

Und mit einigen der Personen, die mich immerzu verarschten kam ich dann auch noch in den Konfirmationsunterricht. Dort behaupteten sie, dass ein Junge auf mich steht. Und redeten mir ein, ich würde auf ihn stehen. Irgendwann hab ich das halt über mich ergehen lassen und „mitgespielt“, weil ich echt keine Kraft mehr hatte was zu machen. Wenn man immer nur verarscht und gemobbt wird, sagt man halt irgendwann nichts mehr.

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In dieser Zeit wechselte ich dann auch vom Gymnasium auf die Realschule, weil mich die Lehrerin von der Schule gemobbt hat, nachdem ich eine ganze Weile krank war und meine Noten deshalb ein bisschen eingestürzt sind. Und diese Lehrerin wollte unbedingt, dass ich von der Schule gehe.

Irgendwann entschloss ich mich gemeinsam mit meiner Familie dazu, dass es wirklich das beste wäre, auf die Realschule zu wechseln. Dort wurde es eigentlich echt besser. Aber irgendwie gab es trotzdem wieder Menschen, die mich fertig machten. Ich musste mir auf dem Schulhof Kommentare anhören über Dinge, für die ich nichts konnte, beispielsweise dafür, dass einer meiner Schneidezähne nicht richtig nach unten gewachsen war. Diese Menschen kannten mich nicht mal richtig und urteilten einfach über mich.

Gott sei Dank hatte ich trotzdem irgendwie immer den Rückhalt meiner Freunde und Familie, denn ich glaube in so schweren Zeiten ist das echt das Wichtigste. Doch irgendwann ist halt doch alles zu viel. Und das war bei mir der Punkt, an denen meine Eltern sich trennten. Das war im September 2012. Das letzte halbe Jahr vor ihrer Trennung ging es mir schon nicht so gut, ich nahm immer mehr ab, war immer mehr in mich verschlossen.

Und ab dem Zeitpunkt wurde es immer schlimmer. Ich fing leider Gottes an mich zu ritzen und wollte alles wegschmeißen. Es lief alles richtig mies, ich war auch wieder lange gesundheitlich angeschlagen und wollte einfach nicht mehr. Ich fühlte mich wie hinter einer grauen Glasplatte, alles war so weit weg und ich wusste einfach nicht mehr wer ich bin, was ich hier mache und wie ich weiterleben soll. Kurz gesagt, ich hatte Depressionen und wusste keinen Ausweg. Ich sprach mit niemand darüber, versuchte im Alltag so normal wie möglich zu erscheinen.

Erst sehr spät merkten andere auch, dass ich mich ritzte. Es gab eine Situation, die das ganze dann nochmal verschlimmerte. Ein Monat lang konnte man mit mir und auch ich mit mir selbst einfach gar nichts anfangen, ich verkroch mich einfach nur noch. Ich hab mich einfach von allem und jedem verlassen gefühlt. Und man sah mir das ganze auch an, denn irgendwann wog ich nur noch 65 Kilogramm auf eine Größe von 1,81 m, was einfach viel zu wenig ist.

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Als dann auch noch meine Eurokom Prüfung komplett schief lief, hätte ich am Liebsten direkt alles hingeschmissen.

Das Einzige, was mir in dem Moment noch ein bisschen geholfen hat, waren die Songs von Linkin Park. Chester Bennington, der selber mit Depressionen zu kämpfen hatte, gab mir durch seine Texte den letzten Halt, der vielleicht auch dazu führte, dass ich heute noch hier sitze.

Do you feel cold and lost in desperation?
You build up hope, but failure’s all you’ve known
Remember all the sadness and frustration
And let it go

  • Iridescent – Linkin Park

Ende Dezember 2012 kam dann der schöne Zustand dazu, dass ich jemand kennenlernte, durch den ich aus meiner Heimatstadt raus, in eine Umgebung kam, in der ich gut aufgenommen wurde und niemand so fies zu mir war. Und genau dadurch kam ich dann auch aus meinen Depressionen raus. In meiner neuen Schule damals ging es zwar nochmal kurz weiter mit dem Gemobbe, aber ich hatte trotzdem irgendwie wieder einen Halt und ein Jahr später wechselte ich (freiwillig) nochmal die Schule und dann war auch da alles wieder gut. Es dauerte zwar noch ein bisschen, bis ich mein Selbstbewusstsein wieder aufbauen konnte und zu der werden konnte, die ich heute bin. Aber das war der Startschuss, für ein besseres Leben. In mein jetziges Leben. Und das will ich für keinen Preis der Welt wieder hergeben. Heute bin ich in sofern für den Weg dankbar, weil ich heute hier sitzen kann und stolz sagen kann, dass es mir trotz dem harten Weg, heute gut geht! Und ich vielleicht gerade deshalb von mir selbst sagen kann, dass ich stark bin und alles schaffen kann. Ich habe dadurch auch so früh lernen können, selbstständig zu sein.

Vielleicht bin ich deshalb auch so gesellschaftskritisch geworden. Aber genau das finde ich gut, denn wie man auch an meiner Geschichte sieht, läuft in unserer Gesellschaft einfach so viel falsch.

Was ich euch aber eigentlich mit meiner Geschichte zeigen will ist, dass egal wie schwer es ist, man aus so einem Teufelskreis rauskommen kann! Egal was andere sagen, auch wenn es total schwer ist, lasst euch nicht unterkriegen! Jeder und damit meine ich absolut JEDER von euch da draußen ist etwas ganz besonderes, wunderschön und wenn andere was anderes sagen, dann ist ihr Horizont einfach so unbegrenzt, dass sie sich nur auf sich selbst beschränken können! Es ist egal welche Nation ihr seit, wieviel ihr wiegt, welche Haarfarbe ihr habt oder was sonst! Mensch ist Mensch und niemand hat das Recht anderen Menschen falsche Dinge einzureden!

Unser Selbstbewusstsein ist so sensibel, vor allem in jungen Jahren und Kindern ist das noch nicht bewusst. Auch nicht was sie damit anrichten. Doch dann darf einem aus dem Elternhaus auch nicht mitgegeben werden, so fies zu anderen Kindern zu sein. Das ist glaube ich vielen Eltern gar nicht bewusst. Aber was ich genauso krass finde ist, wie Jugendliche und Erwachsene teilweise miteinander umgehen! DU willst nicht gemobbt werden, also mobbe andere einfach auch nicht!

Ich glaube ich könnte mich an der Stelle noch weiter über den Umgang untereinander aufregen, aber da würde ich jetzt wahrscheinlich von Thema abschweifen.

Was ich sagen will ist, lasst euch niemals unterkriegen! Wenn es euch schlecht geht, lasst euch helfen! Ab dem Zeitpunkt, an dem ich mir helfen lassen habe und darüber geredet hab ging es mir besser. Denn zusammen ist man stärker als alleine! Das ist wirklich so.

Habt ihr ähnliches erlebt oder erlebt im Moment ähnliches?

Ihr könnt mir gerne eure Geschichten schreiben oder eure Meinung zum Thema da lassen.

xo Vio

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sophia sagt:

    Wow Vio, ein echt motivierender Text! Und super mutig, dass du damit an die Öffentlichkeit gehst. Ich selber wurde früher auch gemobbt, aber geritzt habe ich mich zum Glück nie. Trotzdem weiß ich, wie du dich gefühlt hast.
    Bei mir hat es auch geholfen, einfach die Schule zu wechseln. Und auch mit dem Alter ist es immer besser geworden.

    Ich freue mich, dass es dir wieder gut geht und du die schwere Zeit überwunden hast.
    Du bist super, so wie du bist! ❤ Behalte bitte deine gesellschaftskritische Ader bei, das ist großartig.

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  2. DerKlangderStille sagt:

    Schön geschriebener Text. Weiter so! Bleib gesund.

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